Schnitttheorie

 

Allgemeines

Film- bzw. Videoschnitt ist das Kombinieren von einzelnen Filmaufnahmen. Diese Filmtechnik ist erzählerisches und gestaltendes Werkzeug und konstruiert den Film in Wirkung und Verstehen.

Ein wichtiger Faktor ist dabei, dass dem Zuschauer ein Gefühl von Raum und Zeit vermittelt wird. Der Film soll im Sinne der Kontinuität aber auch inhaltlich verständlich sein. Daher versuchen Cutter/-innen, Schnitte zu „verbergen“, so dass diese Bildübergänge vom Zuschauer nur unbewusst wahrgenommen werden.

 

Frage-und-Antwort-Muster

Die Folge, in der geschnitten wird, ist entscheidend für die Dramaturgie des Films. Die Einstellung, die zuerst gezeigt wird, soll eine Frage aufwerfen, die in einer der nächsten Einstellungen (die daran montiert/ geschnitten werden) beantwortet wird.

 

Beispiel:

Einstellung 1: Eine Frau schaut erschrocken zu Boden (Frage: Warum schaut sie erschrocken zu Boden?) Schnitt auf Einstellung 2: Eine Leiche liegt ihr zu Füßen (Antwort: Aha, die Leiche hat sie erschreckt.)

Die Frage muss aber nicht unbedingt in der nächsten Einstellung beantwortet werden. Es können weitere Fragen aufgeworfen und erst später beantwortet werden oder die Antworten werfen neue Fragen auf: z. B. Wer ist die Leiche überhaupt? Warum liegt sie gerade hier und wie ist sie hier hin gekommen? usw.

 

POV

Ein weiteres Beispiel für Frage-und-Antwort-Muster ist das Schneiden in die Point Of View (POV).

POVMit POV ist die Subjektive, d. h. die Einstellung aus Sicht einer Person im Film gemeint (es wird quasi durch die Augen der Person gefilmt). Damit der Zuschauer nachvollziehen kann, wessen Subjektive gemeint ist (Kontinuität!), aber auch im Sinne des Frage-Antwort-Musters, werden zwei Einstellungen miteinander verknüpft.
Man schneidet in die Blickrichtung der Person. Die erste Einstellung zeigt eine Person, die in eine bestimmte Richtung schaut, die zweite zeigt das, was die Person (aus ihrer Subjektiven) sieht.

 

 

 

 

 

Schnittrhythmus

Als Schnittrhythmus bezeichnet man die Wirkung der Schnitte in ihrer Abfolge.

Schnitte können eher „unscheinbar“, „im Fluss“ (o. ä.) sein, sie wirken dadurch für den Betrachter eher rhythmisch aufeinander abgestimmt und haben die richtige Länge. Schnitte können aber auch eher abgehackt und willkürlich wirken, zu lang oder zu kurz sein und sind dadurch eher unrhythmisch und störend.

Actionszenen werden zum Beispiel schnell geschnitten (schneller Schnittrhythmus) und Liebesszenen eher langsam geschnitten (langsamer Schnittrhythmus).

Der Schnittrhythmus ist also auch gestalterisches Mittel und beeinflusst den Film und somit das Empfinden der Zuschauer/-innen wesentlich.

 

Übergänge

Einfache (oder harte) Schnitte

Der einfache Schnitt ist der häufigste Übergang zwischen zwei Einstellungen. Beim einfachen Schnitt werden zwei Einstellungen direkt hintereinander geschnitten. So fast immer bei Dialogen oder POVs.

 

Cut In

Cut inMit Cut In bezeichnet man das Schneiden einer weiten Einstellung in eine nähere Einstellung (Beispiel: Von Halbtotal auf Halbnah, Von Nah auf Detail, aber auch von Total auf Groß, etc.)

Beim Cut In muss man besonders auf Kontinuität achten, da in der näheren Einstellung beispielsweise die Position oder die Handbewegung der Protagonist/-innen gleich bleiben muss.

Als Cut Out bezeichnet man entsprechend das Gegenteil.

 

 

 

 

 

 

 

 

Schneiden während einer Bewegung

Wenn während einer Aktion z. B. von Total auf Nah innerhalb derselben Perspektive (siehe Cut In) geschnitten wird, ist es ratsam, während der Bewegung (hart) zu schneiden, da der Zuschauer den Einstellungsunterschied durch die Bewegung weniger wahrnimmt.

Bei Auf- bzw. Abgängen von Personen kann man das Bild entweder „leer laufen“ lassen oder schon in die nächste Einstellung schneiden, wenn noch etwa ein Drittel der Person im Bild zu sehen ist.

 

Jump Cut

Der Jump Cut bricht die klassischen Kontinuitätsregeln und lässt eine Person oder ein Objekt entweder im Bild selbst oder im Bewegungsanschluss springen, d. h., die Haltung oder Position im Bild verändert sich. Diese Schnittart löst beim Zuschauer Verwirrung aus und erzeugt dadurch Aufmerksamkeit, außerdem lassen sich einfache, routinierte Abläufe (das Anzünden einer Zigarette, das Eingießen einer Tasse etc.) „zusammenraffen“.

 

Match Cut

Beim Match Cut werden zwei Einstellungen, z. B. dasselbe Motiv mit unterschiedlichem Hintergrund oder jeweils ein ähnliches Motiv mit demselben Hintergrund, zusammengeschnitten. Bildcadrage (Bildausschnitt) und Einstellungsgröße bleiben dabei meistens gleich. Durch Bewegungen im Bild verstärkt sich dieser Effekt.

 

Blenden

 

Blenden wurden in den Anfängen des Films dazu benutzt, einzelne Szenen (oder Abschnitte) im Film voneinander zu trennen. Sie entsprachen damals dem Vorhang, wie er vom Theater bekannt war.

Heute gibt es beim Filmschnitt eine Vielzahl von Blenden:

Überblenden

überblendenBeim Überblenden „mischen“ sich innerhalb eines bestimmten Zeitraums (z. B. 1/3 Sek.) am Ende der einen Einstellung die Bilder mit den Bildern der nächsten Einstellung.
Diese Blende soll dem Zuschauer meist zeigen, dass eine gewisse Zeit zwischen den jeweiligen Einstellungen (Szenen) vergangen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus- und Einblenden, Irisblende etc.

ausblendenDiese Blenden teilen meist einzelne (inhaltliche) Kapitel im Film. Sie werden am Ende einer Szene eingesetzt und sollen zeigen, dass Zeit vergangen, ein Thema abgeschlossen oder dass der Film zu Ende ist.

Aus- und Einblenden, Irisblende etc. blenden meist ins Schwarze oder aus dem Schwarz heraus. 

 

 

 Blenden sind gerade für Anfänger die „Effekte“, die man relativ leicht anwenden kann und werden daher oft falsch und zu häufig eingesetzt. Deswegen gilt: Setze Blenden nur an den richtigen Stellen und nicht wahllos ein!